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Waldberg Adelegg: Im Tal der tausend Tobel

Die Adelegg ist eine extrem zerklüftete Landschaft, »der zerknüllte Entwurf eines Landschaftsarchitekten«. Zahllose Tobel ziehen sich zu den Haupttälern der Eschach und Kürnach hin. Auch der steile Westhang der Adelegg ist stark zerfurcht. Dort nagt die Erosion am lockeren Gestein, der Schleifertobel bietet senkrechte Felswände, auf denen sich die letzten freien Gemsen Württembergs tummeln.

Selbst jedes Seitental bietet alle hundert Meter einen Tobel: Entlang des schattigen Eisenbachs oder im Kreuzbachtal. Dort findet sich auch der »Memminger Schlag«, eine frühe Rodungsinsel und ein selten besuchtes landschaftliches Kleinod.

Tobel und Wasserfälle: Geprägt von der Eiszeit, ist die Adelegg bis heute nicht zur Ruhe gekommen, immer wieder rutschen die Hänge nach, die wilden Bergbäche konnten nur durch massive Verbauungen halbwegs gezügelt werden. Über die Grate und Abrisskanten der niederschlagsreichen Adelegg strömen überall kleine und große Wasserfälle, die meisten davon nur kundigen Waldwanderern bekannt. Wer sie finden will, vertraut sich am besten einem einheimischen Führer an.

Der Wald: Im Mittelalter waren nur wenige Rodungsinseln im Inneren des Waldes: Fallehen und Exenried, Walkenberg und der Herrenberg - ein Gut des Klosters Isny. Aber der »Urwald« wurde dennoch genutzt, die Hirten streiften mit ihren Tieren hindurch, die Waldweide war ein altes Recht der Bauern rundum. Immer wieder mussten die Hirten von Eschach oder Rohrdorf ihre Grenzen neu abstecken.

Eine extreme Rodung der Waldberge aber begann erst mit der Glas-Zeit. Die Glashütten waren ein holzfressendes Gewerbe. Die ehedem schonende bäuerliche Nutzung wandelte sich an vielen Stellen zum wahren Raubbau, schuf aber auch Platz für neue Siedler, etwa im Ulmertal.

Die Adelegg wurde aber noch lange geprägt von Waldbauern, die sich zugleich in den Glashütten verdingten. Überall wuchsen die Bischläge: Bäuerliche Niederwälder, die schon nach 20, 30 Jahren Brennholz lieferten, zugleich dem Vieh als Weide dienten und nach der Holznutzung für etliche Jahre wieder zum Acker wurden. Stets aber war den Herren des Waldes (Stift Kempten und Kloster Isny) diese Nutzung ein Dorn im Auge. Daher wurde die Waldweide verboten, die Bauern aus dem Wald gedrängt.

Nach 1803 fiel der Großteil des Waldes auf bayerischer Seite an den Staat, die württembergische Adelegg an den Fürsten Quadt. Das Haus Quadt begann bereits 1870 mit einer radikalen Aufforstung, die rund 100 Jahre dauerte. Ausgedehnte Monokulturen aus Fichten prägen seither das Bild der Adelegg. Laubreiche Mischwälder entlang der Tobel erinnern aber immer noch an das einstige Gesicht dieser Landschaft.